Lisa Hirmer

Rezension zu „Skorpionblut“ von Bernadette Offenberger

Von der Hohepriesterin verraten, setzt Luca alles daran, den Izenern zu entkommen. Aber auch seine Freundin Rhian befindet sich in ihrer Gewalt – und eine Flucht ist unmöglich. Jede Hilfe versagt. Arin wird sie beide zu seinem Meister bringen. Dort steht Luca ein ganz besonderes Einweihungsritual bevor, das ihn der dunklen Göttin verpflichten wird. Um jeden Preis muss er diesen Bund verhindern. Denn ihn kann nur der Tod wieder auflösen.
Doch auf dem Weg zum Meister kommt es zu einem ungeahnten Aufeinandertreffen. Mit einem Mal tut sich eine gänzlich andere Bedrohung vor Luca auf. Und nicht nur sein eigenes Leben ist in Gefahr.

Der Schreibstil ist auch diesmal kontinuierlich düsterer (und auch blutiger) geworden. Luca und Rhian sind bei den Izenern und müssen sich an die Lebensweise dort anpassen. Dort ist der Umgang natürlich deutlich rauer als bei den Druiden und Priesterinnen. Luca soll für seine Einweihungszeremonie trainiert werden und das ausgerechnet von Arin, der ihn schließlich entführt hat.

Die Sicht liegt diesmal hauptsächlich bei Arin und Luca, nur selten wechselt sie zu Rhian oder Camira. Diese Wechsel zum Feinasberg sind zwar wichtig, doch ich war beim Lesen so in Arin und Luca vertieft, dass ich tatsächlich kurz innehalten musste um mich in Camira und Simeon hineinzuversetzen.
Bei Luca kann man in diesem Teil oft das junge Alter vergessen. Er ist sehr mutig und seine Gedanken sind zunehmend erwachsener und vernünftiger. Da merkt man eine extreme Entwicklung zu Band 1.
Arin ist ein sehr komplexer Charakter. Zuerst treuer Handlanger des Meisters, entdeckt er nun seine menschliche Seite wieder. Zum einen fühlt er sich Rhian gegenüber schuldig, aber will natürlich auch dem Meister weiterhin treu sein. Die Zerrissenheit in seiner Gefühlswelt zu beschreiben ist der Autorin sehr gut gelungen.

Mit zunehmendem Fortschritt der Geschichte verstehe ich Simeon weniger. Er war in diesem Teil wenig präsent, doch dass Camira sich so viel erlauben darf, was er missbilligt, kann ich nur schwer verstehen. Vielleicht ist er aber auch noch immer vom Besuch der Steinernen Stube so geschwächt, dass er keine Kraft hat sich der Hohepriesterin in den Weg zu stellen? Oder treibt auch ihn die Sorge so sehr um?
Camira ist für mich der Charakter, den ich am wenigsten leiden kann. Sie ist so egozentrisch und machtbesessen, das treibt mich schier in den Wahnsinn. Andere Leute kämpfen und opfern sich um Luca und Rhian zu finden und sie behandelt sie abfällig und jammert noch. Da war ich doch wieder froh wenig von ihr zu lesen.
Auch Rhian bekommt in diesem Band wenig Spielraum. Doch das ist auch gut so, denn sonst würde das Buch möglicherweise unnötige Längen bekommen. In den Schlüsselmomenten ist sie präsent und das reicht diesmal auch. Mir hat beim Lesen auch nichts „gefehlt“, sondern die Aufteilung war stimmig.

Geschichtlich legte das Buch ein beachtliches Tempo an den Tag. Seit der gescheiterten Übergabe passieren so viele Dinge bei den Izenern, hauptsächlich unter den Blickpunkt Verrat und Überläufer. Dabei bleibt die Spannungskurve sehr hoch, ich konnte das Buch stellenweise kaum aus den Händen legen. Ganz besonders das Ende war absolut lesenswert. Die Kapitel sind hier sehr kurz gehalten, wodurch die vorherrschende Hektik am Schluss sehr gut aufgegriffen wurde. Ich hatte das Gefühl durch die Handlung „gehetzt“ zu werden, so wie alle Protagonisten an dieser Stelle. Dadurch war der Abschluss sehr kurzweilig.

Das Buch endet offener als die Vorgänger. Egal ob Lebensgefahr, drohender Verrat oder falsches Vertrauen, die letzten Seiten des Bandes eröffnen dem Nachfolger alle Möglichkeiten.

Ich habe das komplette Buch mit den verschiedenen Charakteren mitgefiebert, es gab nie einen Handlungsstrang bei dem ich keine Lust hatte weiterzulesen oder ähnliches. Trotz mancher  unsympathischen Charakterzügen.
Mich konnte Band 3 absolut fesseln und ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Teil!

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